RayNeo X3 Pro Akkulaufzeit: RayNeo verspricht 5 Stunden, Tests messen 40 Minuten
Auf dem Papier ist die RayNeo X3 Pro die vollständigste KI-Brille, die man heute kaufen kann: farbiges MicroLED in beiden Gläsern, 3.500 Nits, 6DoF-Tracking, Snapdragon AR1, 12-Megapixel-Kamera und ein faltbarer Titanrahmen mit 76 Gramm. Sie macht richtig, was alle anderen nur halb machen.
Und nach vierzig Minuten geht sie aus.
Das ist keine Übertreibung und kein schlechter Tag eines einzelnen Testers. Das haben sechs unabhängige Tests unabhängig voneinander gemessen. Und weil sie im europäischen Shop 1.399 € kostet, lohnt es sich zu verstehen, woher diese Lücke kommt, bevor man das Geld ausgibt.
Was RayNeo angibt
RayNeo nennt bis zu 5 Stunden Nutzung, aus einem Akku mit 245 mAh.
Diese 245 mAh sind die entscheidende Zahl und die, auf die fast niemand schaut. Zur Einordnung: Das ist weniger als ein Zwanzigstel eines normalen Handyakkus. In einer Brille mit Snapdragon-Prozessor, zwei MicroLED-Displays bei 3.500 Nits und einer 12-MP-Kamera müssen diese 245 mAh sehr weit reichen.
Was die Tests messen
| Test | Szenario | Messwert |
|---|---|---|
| Gizmodo | Sehr leichte Nutzung (Audio, Display meist aus) | 3,5–4 h |
| The Ghost Howls | Gemischte Nutzung | Gut 1 h |
| Tom's Hardware | Allgemeine Nutzung | Nie mehr als 1 h |
| PhoneArena | Aktive Nutzung | ~40 Min. |
| Next Reality | Realer Alltagstest: Essen suchen, Fotos, Musik | 40 Min. |
| Notebookcheck | Videoaufnahme am Stück | ~30 Min. |
| Informal Tech (via Gizmodo) | Videowiedergabe, automatische Helligkeit | 36 Min. |
Der brutalste Wert kommt von Tom's Hardware zur Navigation: Mit Google Maps fiel der Akku in unter zehn Minuten von 50 % auf unter 30 %. In diesem Tempo bringt eine volle Ladung niemanden zu Fuß durch eine Stadt.
Notebookcheck fasst zusammen, was das praktisch bedeutet: An einem einzigen Ausflugstag musste die Brille dreimal nachgeladen werden, nur um die Aktivitäten für den Test zu filmen.
Beide Zahlen können gleichzeitig stimmen
Das ist der Kern — und genau das erklärt RayNeo nicht.
Die 3,5 bis 4 Stunden, die Gizmodo gemessen hat, sind echt — bei sehr leichter Nutzung: Audio, Display nur kurz an, keine Kamera, keine Navigation. Also mit einer Brille, die fast nichts von dem tut, was sie besonders macht.
Die 40 Minuten sind genauso echt und beschreiben jemanden, der die Brille für das nutzt, wofür er sie gekauft hat: auf die Karte schauen, einen Moment filmen, den Assistenten bei eingeschaltetem Display etwas fragen.
Keine der beiden Zahlen lügt. Nur steht auf der Packung die erste, und erleben wird man die zweite.
Filmen frisst alles
Wer bis hierher gelesen hat und an die Kamera denkt: Das ist die relevante Zahl — eine halbe Stunde Aufnahme am Stück, gemessen von Notebookcheck und bestätigt von Next Reality.
Eine halbe Stunde ist weniger als ein Fußballspiel, weniger als ein Konzert, weniger als eine lange Fahrt und weniger als ein Film.
Und nein, der Akku lässt sich nicht wechseln
Das macht aus einem Laufzeitproblem ein Designproblem, und es ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird:
- Der Akku ist nicht wechselbar. Er ist fest verbaut. Es gibt keinen Ersatzakku, keine zweite Zelle für die Tasche.
- Das Etui lädt nicht. Anders als das Ray-Ban-Meta-Etui, das acht Ladungen liefert, ist das Etui der X3 Pro nur eine Hülle. The Ghost Howls sagt es unverblümt: Wer sie unterwegs nutzen will, nimmt besser eine Powerbank mit.
- Geladen wird per USB-C in rund 40 Minuten. Schnell, ja. Aber es heißt: Brille ab und am Kabel, nach jeder guten Stunde Nutzung.
Praktische Konsequenz: Die X3 Pro ist keine Brille, die man morgens aufsetzt. Sie ist eine Brille, die man für eine kurze, konkrete Aufgabe herausholt und danach wieder an den Strom hängt.
Für wen ist sie dann?
Für kurze, klar umrissene Aufgaben. Ein halbstündiger Vortrag mit Untertiteln im Glas. Eine Übersetzung im Meeting. Ein Stück Navigation. Eine Handvoll Fotos.
Was sie nicht ist: das, was die Kategorie verspricht — eine Brille, die man den ganzen Tag trägt. Deshalb ist der Akku auf unserer Produktseite das Kriterium, das sie am meisten kostet, und die Gesamtnote landet deutlich unter dem, was das Datenblatt suggeriert.
Wer Ausdauer sucht, findet sie heute woanders: die Rokid Glasses geben 9 Stunden mit KI, Kamera und Display an; die Even Realities G2 erreichen 48 Stunden, weil sie auf Kamera und Lautsprecher verzichten; und die Ray-Ban Meta Gen 2 schaffen real rund 4 Stunden plus 40 weitere im Etui. Direkt gegenüberstellen lassen sie sich in unserem Vergleich.
Häufige Fragen
Wie lange hält der Akku der RayNeo X3 Pro? RayNeo gibt bis zu 5 Stunden an. Unabhängige Tests messen zwischen 40 Minuten und gut einer Stunde bei realer Nutzung, und rund 3,5-4 Stunden nur bei sehr leichter Nutzung.
Wie lange kann sie filmen? Etwa 30 Minuten am Stück, laut den Messungen von Notebookcheck und Next Reality.
Kann man den Akku der RayNeo X3 Pro wechseln? Nein. Der 245-mAh-Akku ist fest verbaut und nicht wechselbar. Einen offiziellen Ersatzakku gibt es ebenfalls nicht.
Lädt das Etui der RayNeo X3 Pro die Brille? Nein. Das Etui dient nur dem Transport und hat keine Ladefunktion, anders als das der Ray-Ban Meta.
Wie lange dauert das Laden? Rund 40 Minuten bis voll, per USB-C.
Lohnt sich die RayNeo X3 Pro? Als Demonstration dessen, was technisch möglich ist, ist sie die fortschrittlichste im Katalog. Als Alltagsbrille für 1.399 € ist die Laufzeit ein ernstes Hindernis, das man vor dem Kauf kennen sollte.